#Rhetoriktipp 53 Leidenschaft ist der Schlüssel zu Ihren Zuhörern

Je nachdem in welcher Region wir uns in Deutschland befinden, geben sich die Menschen offener oder verschlossener.

Ich selbst wuchs im alten Preußenland auf – im Westhavelland. Da gehörte es zum guten Ton akkurat, pünktlich, ehrlich, ordentlich alles in allem eine anständige Erscheinung zu sein.

Gefühle öffentlich zu zeigen – nun das wurde nicht nur Effi Briest zum Verhängnis , sondern fällt auch vielen anderen Menschen schwer – egal ob sie in Preußen oder anderswo aufwuchsen.

Rhetoriktipp 53 Leidenschaft ist der Schlüsseln zu Ihren Zuhörern

Eine wichtige Eigenschaft des „vir-bonus“ des guten Redners ist es seine Leidenschaft für die Sache zu zeigen. Aristoteles nannte es „pathos“. Die Pathetik hat in Deutschland jedoch keinen guten Ruf und hat unseren Ruf als Redner im Ausland ruiniert.

Im internationalen Vergleich schneiden deutschsprachige Redner häufig schlechter ab als andere Redner. Unsere Reden sind faktisch richtig, gut aufgebaut, verständlich und machen Sinn. Die Redner sind jedoch häufig einschläfernd und langweilig.

Wenn Sie auch total und absolut von Ihrer Sache überzeugt sind und nie und nimmer Ihre Meinung ändern werden – sofern Sie das ohne Leidenschaft vortragen werden Ihre Gedanken auf ausgedörrten und trockenen Boden fallen.

Leidenschaft ist im wahrsten Sinne des Wortes der Schlüssel zu Ihren Zuhörern.

Viele Menschen haben Angst von Ihren Gefühlen in Reden überrannt zu werden

Eine der häufigsten Fragen in meinen Seminaren richtet sich aus am Umgang mit Gefühlen. Um ein nachhaltiger Redner zu sein, ist es wichtig Gefühle zu zulassen. Im Sport, bei Oskar Parties und manchmal auch in der Politik sehen und hören wir leidenschaftliche Reaktionen von bewegten Menschen.

Wie Sie sich auf Ihre Gefühle vorbereiten und diese nutzen – dazu mehr in einem anderen Rhetorik-Tipp.

Leidenschaftliche Redner bleiben eher im Gedächtnis

Wenn Sie sich an Ihre Schulzeit erinnern, welche Lehrer blieben in Ihrem Gedächtnis, an wen erinnern Sie sich gern?

Für mich ist es meine Physiklehrerin und meine Russisch- sowie Lateinlehrerin. Diesen dreien ist gemein, dass sie uns immer für ein Thema begeistern konnten. Asterix und Obelix im Latein zu lesen und lebhaft die Geschichten in Übersetzungen wiederzugeben – das prägte mein Lateinwissen ungemein.

Alle drei haben sich immer mit vollem Körpereinsatz den Schülern gewidmet. Im übrigen gilt für die Leidenschaft und das Lächeln dasselbe wie für Ziegenpeter – es ist ansteckend.

5 Tipps für mehr Leidenschaft

1. Verben, Verben und dann noch mal Verben, eingerahmt von Adjektiven und Adverbien. (Schließen Sie die Augen und lauschen Sie dem federleichten Flügelschlag der Frühlingsvögel, die zwitschernd den Morgen einläuten.)

2. Berichten Sie von eigenen Erlebnisse, Wünschen, Hoffnungen und geben Sie Prognosen ab.(Ich wünsche mir von allen Rednern eigene Erlebnisse mit wissenschaftlichen Fakten in Verbindung zu setzen und Ihre Zukunftsszenarien mit Ihren Zuhörern zu teilen.)

3. Sprechen Sie mit ganzen Körpereinsatz – Ihre Mimik, Gestik und Körpersprache sind im besten Fall ein Rahmen und Untermalung für Ihre Worte.

4. Zeigen Sie Ihre Leidenschaft – teilen Sie Ihre Begeisterung mit Ihren Zuhörern und lassen Sie Ihre Zuhörer Teil Ihres Themas werden und in Ihre Welt eintauchen.

5. L.m.a.a – Lächle mehr als andere – Ein Lächeln ist ansteckend wie Ziegenpeter.

Fazit

Meine Empfehlung an Redner lautet in den meisten Fällen – lassen Sie Ihrer Leidenschaft freien Lauf. Emotionen sind ein wunderbarer Leitstoff und Transportmittel Ihrer Ideen.

Frage an meine Leser

Wie geht es Ihnen, wenn Sie leidenschaftslose bzw. leidenschaftliche Rednerinnen und Redner sehen und hören. Wer verfängt mehr? Dürfen wir Deutschen uns überhaupt erlauben leidenschaftlich für eine Sache einzutreten? Sind die jetzigen Rednergenerationen dafür bereit?

 

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copyright 2020 Judith Torma Gonçalves, M.A.