Rhetoriktipp 108: 7 Vorteile, wenn Sie die richtigen Worte finden – Mitarbeitermotivation durch den Sandwich-Manager

Im täglichen Einheitsbrei gehen wertschätzendes Loben oder echte Kritik viel zu schnell unter. Oft entstehen dann zwei Extreme, die sowohl Mitarbeiter als auch Sandwich-Manager auslaugen.

Mitarbeitermotivation durch den Sandwich-Manager

Das eine Extrem – es wird von morgens bis abends gemeckert. Wenn Führungskräfte an allem ein Haar in der Suppe finden, dann nehmen sich Mitarbeiter diese Verhaltensweise sehr schnell an.

Andererseits verstärkt sich das negative Formulieren bei Vorgesetzten auch immer häufiger in ihrer Mimik und Körpersprache. Denken Sie jetzt einfach einmal an Bilder aus den Medien. Wie oft sehen wir deutsche Politiker mit heruntergezogenen Mundwickeln sowie eine starre, herrische Körpersprache, die fern jeder menschlichen Bindung erscheint.

7 Vorteile, wenn Sie die richtigen Wort finden

Das andere Extrem beschrieb vor einigen Tagen eine Kundin von mir sehr treffend. Wenn Kinder heute das erste Mal allein aufs Töpfchen gehen, dann erschallt Musik aus dem Donnerbalken und Mama und Papa führen einen Indianertanz in voller Montur vor. In einigen extrem Fällen zieht sich das bis zum jungen Erwachsenenalter durch.
Dann haben wir junge Fachkräfte, vielleicht so gar junge Führungskräfte, die schon ein riesiges Lob und handfeste Vorteile erwarten, nur weil sie mit Mitte Zwanzig allein die Unisex-Toilette finden.

Sie finden dieser Vergleich ist übertrieben? Dann schauen Sie sich doch in der heutigen Jugend um – die zwei Extreme finden wir dort immer häufiger.

Wie sollen junge Menschen bei den Eltern und Ausbildern oder Facharbeiter bei Ihren Führungskräften erkennen, ob dort echte Kritik oder wertschätzende Anerkennung ausgesprochen wird, wenn wir vor jedem Donnerbalken einen Indianertanz aufführen.?

Auch als Audiodatei oder Podcast verfügbar

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Das recht Maß finden – so heißt hier unsere Aufgabe!

Im Folgenden stelle ich Ihnen vor:

7 Vorteile, wenn Sie als Führungskraft mit Worten motivieren

1. Mitarbeiter hören besser zu und verstehen – persönlich werden, statt pauschale Verallgemeinerungen

„Das haben wir schon immer so gemacht“ oder „Die ganze Abteilung ist ein reiner Misthaufen“ oder „Sie alle sind lahme Enten, der ist meine Großmutter ja noch schneller und besser unterwegs“

Klingen diese Äußerungen übertrieben? Sie alle stammen aus Gesprächen mit Mitarbeitern. Oft haben Sie mir im persönlichen Gespräch eröffnet, wie sehr es sie persönlich angreift, wenn der Chef oder die Chefin mal wieder zum Rund-Um-Schlag ausholt. Es gibt einen faulen Apfel und dann wird gleich der ganze Korb auf dem Mist geworfen.

Klar gibt es immer mal wieder Mitarbeiter, die hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben. Ist es dann aber gerechtfertigt, gleich die ganze Mannschaft anzuklagen?

Wenn gute Mitarbeiter immer wieder im Pauschalurteil des Teams angegriffen werden, verliert sich auch hier die Motivation beim Einzelnen.

Meine Empfehlung: Erkennen Sie Mängel oder Nachlässigkeiten, dann greifen und verurteilen Sie nicht gleich das ganze Team. Suchen Sie eher das Gespräch mit dem Einzelnen. Gehen Sie hier den persönlichen Weg und suchen sie das Gespräch mit dem Mitarbeiter, der hinter ihren Erwartungen zurück bleibt.

 

2. Mitarbeiter lernen die eigene Leistung besser einzuschätzen

Die richtigen Worte finden – das hilft den meisten Mitarbeitern, die eigene Leistung besser einzuschätzen. Das schulische System von eins bis sechs ist hier ein sehr enges Korsett. Doch halfen mir im Abitur (puh ist das schon wieder lange her) die Wertung meiner Lehrer enorm. Welch ein wärmendes Gefühl war es, als ich die 1- unter dem Essay sah. Angespornt hat mich jedoch das Kleingedruckte darunter. Mein Deutschlehrer schrieb in sauberer Schrift dazu: Beim nächsten Mal lese noch mal genau und vermeide Flüchtigkeitsfehler in der Rechtschreibung, dann kann da auch ein plus hinter der eins stehen.

Diese persönliche Einschätzung ganz außerhalb der Zahlenwelt, zeigte mir, dass der Inhalt Top war. Aber die Form und Darbietung noch echte Lücken aufweist.

So war mein Ehrgeiz geweckt.

Meine Empfehlung:  Nutzen Sie vorhandene Bewertungssysteme, um Ihren Mitarbeitern eine Rückmeldung zu der eigenen Leistung zu geben. Mit den richtigen Worten, den Beispielen, persönlichen Empfindungen, Prognosen oder punktgenauen Hinweisen ermöglichen Sie es Ihren Mitarbeitern sich und die eigene Leistung besser einzuschätzen.

 

3 . Nuancen spornen im Alltag an – streben sie nach dem Icing on the cake

„Das haben sie mal wieder richtig gut gemacht“ – verspricht ein Lob aus dem Munde des Vorgesetzten. Allein der Weichmacher „mal wieder“ nimmt dem Lob die Schärfe.

Ersetzen Sie „mal wieder“ mit konkreten Handlungen, Abläufen, Projekten oder Kontakte.  Je genauer der Zielpunkt beschrieben wird, desto eher kann der Mitarbeiter das auch einordnen. Nicht nur sie als Führungskraft haben viele Dinge gleichzeitig zu erledigen, ihre Mitarbeiter ebenfalls.

Der zweite Weichmacher steckt hier in „gut gemacht“. Adverb und Verb stecken in diesem Satz drin. Fallen Ihnen andere Worte für „gut“ ein? Sehr gut, ausgezeichnet, detailliert, hervorragend, sauber, höflich, zielstrebig, schnell, umsichtig…..den Reigen können wir leicht und schnell für eine lange Zeit fortsetzen.

Wenden wir uns nun dem Verb zu. „Machen“ und „tun“ – da gibt es doch noch so viele weitere schöne Tu-Wörter: geschrieben, formuliert, gestaltet, aufgelistet, zusammengestellt, zusammen geklaubt, recherchiert, analysiert.

Meine Empfehlung: Trainieren Sie Ihren aktiven Wortschatz. Nur wer Nuancen ausdrückt, gibt den Mitarbeitern die Chance, diese auch zu erkennen.

 

4. Kritik erkennen und damit nach Besserem streben

Wenn alles im „in Ordnung“ oder „gut gemacht“ wurde, wie sollen Mitarbeiter erkennen, dass da etwas fehlt. Mein Lieblingsspruch: „Das war gar nicht mal so schlecht“.

Was sagt so ein Satz dem Mitarbeiter? War nicht schlecht, Aber war es jetzt auch gut? Was war denn gar  nicht mal so schlecht? Mit so einer Aussage lassen sie ihre Mitarbeiter im Dunkeln stehen.

Meine Empfehlung: Bemühen Sie sich mindestens immer zwei positive Dinge zu benennen. Ein Mittelmaß anzusprechen und genau eine Sache zu benennen, die sie beim nächsten Mal besser sehen wollen.

Sagen sie also was Ihnen besonders oder gut oder außergewöhnlich gefallen hat. Gehen Sie dann darauf ein, was ausreichend erbracht wurde und wenden Sie sich dann dem Thema oder Aspekt zu, der in der nächsten Arbeit viel besser, umfangreicher, genauer, klarer oder umfänglicher zu bearbeiten ist.

Sie merken schon – die richtigen Worte bringen Ihnen als Führungskraft und den Mitarbeitern nur Vorteile.

Ist es mehr Arbeit? Ja, am Anfang bestimmt, denn sie müssen sich neue Sprechmuster antrainieren. Das gute: sie haben alle Grundlagen dafür. Als Führungskraft haben sie eine Spezialausbildung durchlaufen oder verfügen über besondere Fähigkeiten. Diese spiegeln sich oft in Ihrem passiven Wortschatz wieder. Jetzt ist es Ihre Aufgabe, diesen passiven Wortschatz in den aktiven Gebrauch zubringen.

 

5. Abstumpfung vermeiden – wenn alles immer toll ist, stirbt die innere Motivation – Beispiel Trump: it will be great

Donald Trump wird ja im Moment genaustens unter die Lupe genommen. Vermutlich mehr, als jemals zuvor. Das zeigen auch die vielen Studien, die im Moment im National Association for Communication veröffentlicht werden. Fast wöchentlich kommen neue Essays und Analysen hinzu.

Was vielen gemein ist: unter Donald Trump können wir davon ausgehen, dass es großartig sein wird.

„Make Amerika great again“ spiegelt sich in vielen seiner anderen Aussagen wieder. It will be great, it will be marvelous, it will be stunning.

Alles kommt bei ihm in der Superlative. Wie wirkt das wohl auf die Untertanen?

Wie wirkt das auf Ihre Mitarbeiter? Erwischen Sie sich dabei bestimmte Floskeln oder Formulierungen immer und immer wieder zu verwenden?

Wenn immer alles toll ist oder eben „great“, dann stumpft diese Phrase ab. Auch Ihre Zuhörer schalten innerlich ab.

Meine Empfehlung: Variieren Sie Ihre Formulierungen! Vermeiden Sie Standardphrasen. Gerade als Führungskraft neigen wir dazu uns zu wiederholen. Das ist auch angemessen, denn wir müssen ja unsere Nachricht rüber bringen. Dabei hilft uns aber, wenn wir uns ein umfangreicheres Reservoir an Vokabeln bereit legen. Sagen sie das Gleiche mit unterschiedlichen Worten.

 

6. Ihre Gedanken spiegeln sich in Ihren Handlungen – alte chinesisches Sprichwort: Deine Gedanken werden zu deinen Worten, deine Worte werden zu deinen Taten

An dieser Stelle füge ich ein kleines Video ein, welches vor einiger Zeit meinen Weg kreuzte. Achten Sie auf den Gesichtsausdruck des älteren Mannes. Was er sich wohl gerade denkt?

Was wenn er seinen Gedanken freien Lauf lässt? Wie fällt dann wohl seine Reaktion auf den jungen Mann aus?

Aber auch die Unsicherheit des Mädchen am ersten Schultag. Wie geht es wohl Mitarbeitern, die zu ihrem Team stoßen? Was ein einfacher Gruß ausmachen kann.

Ein altes chinesisches Sprichwort warnt: „Achte auf deine Gedanken, sie werden zu deinen Worten und dann zu deinen Taten.“

Haben Sie sich schon einmal dabei erwischt, wie ihre Gedanken ihre Taten beeinflussen? Hatten Sie eine tolle Nacht? Dann werden auch Ihre Wort schwungvoller, fröhlicher und motivierender. Folgen wir der chinesischen Weisheit, dann folgen Ihre Taten dem selben Muster.

Meine Empfehlung: Achten Sie auf Ihre Gedanken. Nicht jeder Gedanke muss in Worte gefasst werden. Paul Enkmen ( ja das ist der Prof, den wir in seiner ironischen Form aus „Lie to me“ kennen,) spricht davon, dass unser Gesicht in Mikro-Bewegungen unsere Emotionen und damit auch unsere Gedanken äußern.

Geben wir nun diesen Gedanken noch Raum, um in Worte zu kommen, hat das Einfluss auf unsere Taten. Bemühen Sie sich gute, anerkennende und vielleicht so gar wertschätzende Gedanken vorrangig in Worte zu fassen. Das wird Auswirkungen auf Sie und Ihre Mitarbeiter haben.

7. Mehr als nur Worte – ein Lächeln ist ansteckend wie Ziegenpeter

Kennen Sie diese Übungen – auf dem Weg zur Arbeit lächeln Sie jeden Menschen einmal bewusst an. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht? Lächeln die Menschen zurück oder eher nicht?

Meine Erfahrung als Dozentin ist die: wenn ich den Raum lächelnd und mit guter Laune betrete, dann spiegeln viele Teilnehmer mein Verhalten. Nicht alle, aber viele.

Ich beschreibe diese Begebenheit auch gern mit dem Prinzip der self-fulling prophesy – plus einem kurzen Anstupser. Wenn ich selbst gut gelaunt, offen für Neues und mit einer Portion guter Worte in den Raum gehen, dann spiegeln die Menschen in diesem Raum sehr oft mein Verhalten.

Gerade erst bei meinem letzten Workshop in Rostock wurde ich gefragt, ob das aufgesetzt sei. Hier meine Antwort: Nein.

Aber es ist meine bewusste Endscheidung für die Dauer des Seminars andere Aufgaben, Gedanken oder Herausforderungen zur Seite zu legen. Ich konzentriere mich auf meine Arbeit und das zeige ich gern mit Wertschätzung und positiven Worten.

Aber fragen Sie auch meine Studies, wenn es nicht so gut ist, wie ich es erwarte, dann gibt es auch hier klare Worte.

Meine Empfehlung: Unser Verhalten und wenn es nur ein kurzes Lächeln ist, wird von vielen Menschen in unserer direkten Umgebung gespiegelt. Achten Sie deshalb bewusst auf Ihre Mimik und Körpersprache – ohne dabei ins  Schauspielern zu verfallen.

Probieren Sie es einfach einmal in Ihrer nächsten Pause aus. Gehen Sie mit einem leichten Lächeln auf den Lippen durchs Haus. Achten Sie dabei auf die Reaktionen Ihrer Mitarbeiter.

Wiederholen Sie das in den nächsten Tagen ein bis zweimal.

 

Fazit:  Unsere Worte werden zu Taten. Achten Sie daher auf Ihre Worte.

 

Für Ihre Mitarbeiter haben Ihre Worte oft genauso viel Gewicht wie Ihre Taten. Vergessen Sie den alten Spruch – Worte sind wie Schall und Rauch.

Worte werden zu Taten – entweder zu Ihren eigenen oder den Taten Ihrer Mitarbeiter.

Nutzen Sie diese 7 Vorteile, um Ihre Mitarbeiter bewusst mit Ihren Worten zu lenken. Lob tut gut, aber nicht jeder kleine Pups muss gelobt werden.  Wertschätzen Sie wirkliche Leistung und geben Sie ehrliche und hilfreiche Rückmeldung an Ihre Mitarbeiter. Nach einiger Zeit werden Sie eine Veränderung bemerken. Vermutlich die erste: Ihre Mitarbeiter spiegeln Ihr eigenes Verhalten als Führungskraft. Stellen Sie sich einfach einmal vor, wie es wäre, wenn Ihre Mitarbeiter sie morgens mit einem Lächeln und wertschätzenden Worten begrüßen oder Ihnen ehrliche Rückmeldungen geben?

Zu viel des Guten? Dann finden Sie ihren eigenen Weg die Arbeit Ihrer Mitarbeiter anzusprechen.

 

Nutzen Sie das Summer-Camp für Führungskräfte:

Die Macht der positiven Worte – Wertschätzung und Anerkennung durch den Sandwich-Manager.

Mit diesem Thema bin ich beim diesjährigen Summer-Camp für Führungskräfte dabei.

Welche anderen fünf Dozenten und Berater dabei sind, sehen Sie wenn Sie nun auf den Link klicken.

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2 responses on "Rhetoriktipp 108: 7 Vorteile, wenn Sie die richtigen Worte finden – Mitarbeitermotivation durch den Sandwich-Manager"

  1. Ein sehr erfrischender Beitrag, Frau Torma! Ich danke Ihnen herzlich dafür! Ich erlebe ähnliche Erfahrungen, bin jedoch der festen Überzeugung, dass alle Techniken und Strategien nicht (dauerhaft) funktionieren, wenn die Motivation nicht vom Herzen ausgeht. Wie heißt noch gleich das Buch? „Die Kunst, seine Kunden zu lieben“? LG und viel Erfolg! René 🙂

    • Ob es wohl auch ein Buch gibt: seine Mitarbeiter lieben?

      Wenn gute Worte nur Strategie sind, dass verpufft es sowieso. Es geht eher darum, seine eigene Einstellung zur Gesprächsführung zu überdenken. Daher danke ich Ihnen für Ihre Rückmeldung.

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